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Der Krieg ist ein schreckliches Übel, aber er muss sein. – Er muss zwar nicht sein, aber er ist ein hohes Gut. Diesen Mangel an Folgerichtigkeit, an logischer Ehrlichkeit, lassen sich alle jene zu schulden kommen, welche aus uneingestandenen Gründen – oder auch ohne Gründe, bloß instinktiv – eine Sache vertreten und hier alle ihnen je zu Ohren gekommenen Phrasen und Gemeinplätze benutzen, welche zur Verteidigung der betreffenden Sache in Umlauf gesetzt worden sind.
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Das bloße Erwähnen von der Möglichkeit eines Schattens eines Zweifels ist schon antipatriotisch. Im Voraus seiner Unüberwindlichkeit sicher sein, gehört mit zu den Soldatenpflichten.
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Ganz richtig: Es ist schon ein höherer Standpunkt, der über Preußen und Österreich den weiteren Begriff Deutschland erhebt – aber nur noch einen Schritt: und es wäre jene noch höhere Einheit erreicht, in deren Licht jeder Krieg – Menschen gegen Menschen, namentlich zivilisierte gegen zivilisierte – als unheilvoller Bruderkrieg erscheinen müsste.
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Derjenige, der aus dem Kriege als Sieger hervorgeht, vor dem fällt die Historien kribbelnde Gilde in den Staub und preist ihn als den Erfüller einer „Kulturmission“. Und „vor dem Richterstuhl Gottes, des Allmächtigen“? Ja, ist es denn dieser selber nicht, der stets als der Lenker der Schlachten hingestellt wird – geschieht denn mit dem Ausbruch sowohl als mit dem Ausgang jedes Krieges nicht eben dieses Allmächtigen unverrückbarer Wille?
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O Widerspruch über Widerspruch! Ein solcher muss sich eben überall einstellen, wo unter Phrasen die Wahrheit versteckt werden soll, wo man zwei einander aufhebende Prinzipien – wie Krieg und Gerechtigkeit, wie Völkerhass und Menschlichkeit, wie Gott der Liebe und Gott der Schlachten – nebeneinander gleich heilig halten will.
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Freilich – der Krieg war aus. Das heißt, man hatte erklärt, dass der Frieden geschlossen sei. Ein Wort genügt, die Schrecknisse zu entfesseln, und da meint man wohl auch, ein Wort könne genügen, dieselben sogleich wieder aufzuheben – doch dies vermag kein Machtspruch.
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Die Feindseligkeiten werden eingestellt, aber die Feindseligkeit dauert fort.
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Der Samen für künftige Kriege ist gestreut und die Frucht des eben beendigten Krieges entfaltet sich weiter: Elend, Verwilderung, Seuchen. Ja, da half kein Leugnen und Nicht-dran-denken mehr: – die Cholera wütete im Lande.
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Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegputzen zu wollen – nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden!
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Die Macht erzeugt Übermut. Ihr ist alles erlaubt – dünkt ihr – und sie will es auch zeigen.
Bertha von Suttner



